• 11. - 15. November 2023
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03.02.2021

Tourismusanalyse: Fast vollständiger Nächtigungseinbruch in Wintersaison 2020/21

Durch den Lockdown brach die Nachfrage in der Vorsaison um rund 90 Prozent ein. Auch der Ausblick auf das gesamte Winterhalbjahr ist nicht rosig. Warum es trotzdem Grund für Optimismus gibt:

Zeigte die COVID-19-Krise schon im Sommer 2020 erheblich negative Auswirkungen auf den heimischen Tourismus, kam die Nachfrage in den ersten beiden Monaten der laufenden Wintersaison 2020/21 aufgrund weiterer Lockdowns in Österreich und auf wichtigen Herkunftsmärkten mit minus 94 Prozent bei den Ankünften, und rund minus 90 Prozent bei Übernachtungen und Umsätzen fast vollständig zum Erliegen. Im November 2020 berichteten wir erstmals über die hohen Rückgänge im Tourismus.  

Sowohl Ankünfte, Übernachtungen und Umsätze brachen in der Wintersaison 2020/21 fast vollständig ein. 
© Unsplash/Daheen Son

Ankünfte, Nächtigungen und Umsatz fielen um rund minus 90 Prozent

Der Start in die Wintersaison 2020/21 wurde bereits im November vom zweiten Lockdown[1] überschattet , der fast nahtlos in den dritten Lockdown[2] überging. Touristische Aktivitäten waren daher auch im Dezember 2020 praktisch kaum möglich (mit Ausnahme notwendiger dienstlicher Reisen sowie Kuraufenthalten). Die Anzahl der Ankünfte fiel um minus 96 Prozent, die der Übernachtungen um minus 94 Prozent. Insgesamt belief sich die Zahl der Gäste in österreichischen Beherbergungsbetrieben in der Wintervorsaison damit nur auf rund 375.800 (‑93,6% gegenüber November bis Dezember 2019), jene der Nächtigungen auf 1,86 Mio. (‑89,4%). Erste Schätzungen des WIFO zu den Einnahmen im heimischen Tourismus, die ein Minus von rund 90 Prozent ausmachen, spiegeln diese Entwicklung wider.

Nennenswerte Nachfrage kann bestenfalls wieder zum Saisonende erwartet werden

Die COVID-19-Krise veränderte im Winter 2019/20 die Gewichtung der einzelnen Monate stark zugunsten der Vorsaison: Im November und Dezember 2020 konnten um rund zehn Prozent mehr Saisonnächtigungen verzeichnet werden, als in einem normalen Winter. In der aktuellen Saison werden jedoch aufgrund des geltenden Betretungsverbotes im Beherbergungswesen bis zumindest Ende Februar und der auch auf vielen Quellmärkten verhängten "Lockdowns", also massiven Einschränkungen der persönlichen Bewegungsfreiheiten und der Ausübung bestimmter wirtschaftlichen Aktivitäten, inländische wie ausländische Gäste weitgehend fehlen, sodass bestenfalls zum Saisonende eine Nachfrage in nennenswertem Umfang erwartet werden kann.

Ausblick auf die Wintersaions 2020/21

Einer aktuellen Schätzung des WIFO zufolge dürfte sich die Zahl der Nächtigungen im Winter 2020/21 auf insgesamt nur rund 10,2 Mio. belaufen und damit um etwa 83 Prozent unter dem Vorjahresniveau zu liegen kommen. Dabei wird davon ausgegangen, dass die ausländische Nachfrage aufgrund von Reisebeschränkungen auch im März 2021 großteils ausfallen wird und erst im April ein relevantes Niveau erreichen wird (minus 43 Prozent bezogen auf 2019).

Für den Binnentourismus wird, sofern es zu einer Aufhebung des touristischen Betretungsverbotes kommt, ein verhaltener Start im März sowie eine deutliche Entspannung im April (etwa minus 28 Prozent verglichen mit 2019) erwartet. Zwar lässt die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie, verstärkt durch die Verbreitung von Virusmutationen mit erhöhter Ansteckungswahrscheinlichkeit sowie die beschränkte Verfügbarkeit von Impfstoffen, noch keine gesicherte Prognose zu, der weitgehende Entfall der Wintersaison 2020/21 ist jedoch nicht mehr zu verhindern. Selbst weiter als derzeit erwartet gehende Öffnungsschritte ab März werden daran wenig ändern.

Der weitgehende Entfall der Wintersaison 2020/21 ist nicht mehr zu verhindern. Selbst weiter als derzeit erwartet gehende Öffnungsschritte ab März werden daran wenig ändern.
© Statistik Austria, WIFO, WS-WIFO-Datensystem. 2020/21: WIFO-Schätzung

Tagesgäste und ausländische Touristen bleiben aus

Die Tourismuseinnahmen werden im Winter 2020/21 nicht nur durch entfallende Ausgaben von nächtigenden Touristinnen und Touristen, sondern zudem durch beträchtliche Einbußen bei Tagesgästen verringert werden. Aufgrund fehlender Informationen dazu wird hier angenommen, dass Nächtigungs- und Tagestourismus gleich stark einbrechen.

Zu beachten ist weiters die unterschiedliche Entwicklung in einer regionalen Perspektive: Im Analysezeitraum von November bis Dezember 2020 erlitten die stark von ausländischen Gästen abhängigen Bundesländer (Wien, Westösterreich) einen Totalausfall dieser Gästegruppe sowie in der Folge auch ihrer Umsätze. Die trotz Lockdown auffallend geringeren relativen Einbußen in Niederösterreich sind u. a. auf einen nach wie vor aufrechten Betrieb in Kuranstalten zurückzuführen. Zudem zeigt sich in gewerblichen Ferienwohnungen – trotz touristischem Betretungsverbot – eine deutlich bessere Dynamik als in anderen Bundesländern. Dabei dürfte Niederösterreich von den nach wie vor erlaubten dienstlich begründeten Aufenthalten profitieren, die in der Bundeshauptstadt Wien beschäftigte Arbeitskräfte tätigen.

Kommende Sommersaison noch völlig ungewiss

Während sich die Entwicklung der aktuellen Wintersaison schon deutlich abzeichnet, lässt es die erwähnte Ungewissheit über den Pandemieverlauf einerseits und den Impffortschritt andererseits kaum zu, gesicherte Aussagen zur kommenden Sommersaison und darüber hinaus zu treffen. Die pandemieinduzierte Wirtschaftskrise und die daraus entstehenden Einkommens- und Arbeitsplatzverluste verstärken diese Unsicherheit noch weiter.

Normalisierung der Nachfrage erst 2022, im Städtetourismus 2023

Geht man in einem unter derzeitigen Gegebenheiten wohl sehr optimistischen Szenario davon aus, dass die Nächtigungen bereits im Mai 2021 bei 75 Prozent des Nächtigungsniveaus von Mai 2019 zu liegen kommen und sich diese Nachfragelücke danach kontinuierlich weiter abbaut, so wird das Nächtigungsniveau 2021 nur knapp jenes des Jahres 2020 erreichen und immerhin um rund 36 Prozent unter dem des Jahres 2019 liegen. Somit ist frühestens 2022 mit einer Nachfrage zu rechnen, die annähernd das Vorkrisenniveau erreicht – geht man davon aus, dass die Erholung des Städtetourismus durch die Abhängigkeit von Fernmärkten und Flugverbindungen verzögert eintritt, so dürfte erst 2023 mit einer Normalisierung zu rechnen sein.

Doch es gibt auch Grund zu Optimismus

Bei aller Unsicherheit und den vielen Problemen, mit denen die österreichische und internationale Tourismusbranche zu kämpfen hat, besteht doch auch Grund zu Optimismus: Der Tourismus gehörte in den vergangenen Jahren national wie global zu den Bereichen mit der höchsten Dynamik. Die Reiselust der Menschen ist nicht nur ungebrochen, vielmehr kann man davon ausgehen, dass sie durch die lange Zeit der Reisebeschränkungen noch größer wurde. Österreich wurde im vergangenen Sommer von vielen Inländerinnen und Inländern als Haupturlaubsland wiederentdeckt und konnte seine Vorzüge präsentieren – es erscheint durchaus möglich, dass dieser Impuls eine nachhaltigere Belebung des Inlandstourismus nach sich ziehen kann.

Genaue Zahlen: WIFOStatistik Austria

[1] 3. bis 16. November 2020: Ausgangsbeschränkungen von 20 bis 6 Uhr (Teil-Lockdown), 17. November bis 23. Dezember 2020: Voll-Lockdown

[2] 26. Dezember 2020 bis voraussichtlich 7. Februar 2021 (Schulen, Handel) bzw. 28. Februar 2021 (Beherbergung, Gastronomie).

(Quelle: OTS)