17.03.2021
Ein Text von Jana Neugebauer

Corona: 9 Tipps für eine erfolgreiche Außengastronomie

Gast- und Schanigärten sind erzwungenermaßen DER Trend der nächsten Monate. Worauf bei einem erfolgreichen Außenbereich zu achten ist.

„Draußen ist besser als drinnen“ sagte der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig so schön bei der Pressekonferenz am 1. März, in deren Rahmen weitere sanfte Öffnungsschritte für die Gastronomie beschlossen wurden. Während Vorarlberg bereits Anfang der Woche, am 15. März sowohl In- als auch Outdoor aufmachen durfte, muss sich der Rest Österreichs noch bis Ostern gedulden. Mit dem Ende der Fastenzeit soll es hier zumindest zur Öffnung der Außengastronomie kommen. Viele Betriebe überlegen nun, wie sich ein kostengünstiger Außenbereich verwirklichen lässt. Wir haben neun Tipps für euch zusammengetragen:

Tipp 1: Planung und Strategie – Mit Struktur an den Outdoorbereich

Planbarkeit ist uns in der aktuellen Corona-Pandemie leider nicht gewährt. Das bedeutet aber nicht, dass auch du dein Projekt „Gastgarten“ völlig kopflos angehen solltest. Planung ist das halbe Leben. Deswegen solltest du dir vorab ein paar Gedanken machen:

  • Wie viel Budget habe ich zur Verfügung?

  • Habe ich eine Außenfläche zur Verfügung?

  • Wer ist meine zuständige Stelle für bürokratische Maßnahmen?

  • Wie groß ist meine Außenfläche?

  • Scheint Sonne auf meine Außenfläche? Wenn ja, wann?

  • Ist mein Außenbereich vor Wind und Wetter geschützt?

  • Für wie vielen Gästen möchte ich Outdoor Platz bieten?

  • Soll mein Außenbereich nur Übergangslösung sein oder möchte ich diesen das ganze Jahr anbieten?

  • Brauche ich zusätzliche Bestuhlung und Tische?
  • Wo kann ich meine Outdoor-Möbel lagern, wenn ich sie gerade nicht brauche?
  • Benötige ich Heizstrahler?

Tipp 2: Genehmigung eines Gastgartens – Diese Auflagen sind einzuhalten

Für den Betrieb eines Gastgartens ist eine Anzeige nach § 76a GewO bei der Bezirksverwaltungsbehörde zu erstatten, wenn dieser folgende Voraussetzungen erfüllt:

  • Maximal 75 Verabreichungsplätze

  • Verabreichung von Speisen und Getränken (kein Kochen, Grillen etc. im Gastgarten)

  • Um Lärmbelästigung zu vermeiden, darf im Gastgarten nicht gesungen oder musiziert und nur in normaler Lautstärke gesprochen werden. Darauf muss der Betreiber mit Hilfe von hinweisenden Anschlägen dauerhaft aufmerksam machen.

  • Nachbarinteressen müssen ausreichend geschützt und die Belastung der Umwelt vermieden werden.

Für die Betriebsanlage, von der aus der Gastgarten versorgt wird, ist allerdings eine Betriebsanlagengenehmigung einzuholen. Das gleiche gilt für größere Gastgärten, die mehr Plätze anbieten als 75, bzw. wenn im Gastgarten musiziert oder Speisen zubereitet werden sollen.

In Zeiten von Corona wird die Sperrstunde vorverlegt. Gastronomische Betriebe dürfen nur bis 20:00 Uhr geöffnet haben. Das gilt auch für den Außenbereich.

Tipp 3: Abgaben und Gebühren – Ein Gastgarten kostet

Schon die gewerbliche Genehmigung eines Gastgartens ist mit Kosten verbunden. Diese richten sich nach den verschiedenen Abgaben- und Gebührenverordnungen und müssen individuell bei der zuständigen Stelle erfragt werden (das können das Gemeindeamt, der Magistratsrat oder in Wien das Magistratische Bezirksamt sein). Auch für den Betrieb hat jede Gemeinde ihr eigenes Tarifsystem. Und nicht nur das: Die Tarife können zusätzlich, je nach Lage, variieren. Die schlussendlichen Kosten werden in der Regel pro begonnenem Quadratmeter und pro Monat verrechnet.

Zusätzlich fallen für die Bewilligung eines Gastgartens im öffentlichen Raum Verwaltungsabgaben und Kommissionsgebühren an. Weiterführende Informationen bietet das Unternehmensservice Portal der österreichischen Bundesregierung.

Tourismusministerin Elisabeth Köstinger setzt sich derzeit für einen Erlass der Gebühren für Gastgärten ein, um der Gastronomie den Start in die Saison zu erleichtern: "Mehrere Städte haben das schon getan, es wäre wichtig, dass alle Kommunen dieses Signal setzen und damit ihren Gastronomen das Aufsperren ihrer Gastgärten erleichtern", so Köstinger.

Tipp 4: Flexibler Wetterschutz – Für alle Eventualitäten

Die Gastronomie war viel zu lange geschlossen, deswegen muss ab sofort jeder Tag effizient genutzt werden. Und das schon im wechselhaften Frühjahr, in dem sich Sonne, Schnee und Regen fast stündlich abwechseln können. Deshalb ist ein flexibler Wetterschutz das absolute Must-Have für eine erfolgreiche Außengastronomie. Dieser sollte einen raschen Schutz vor Wind und Regen bieten und bei den ersten warmen Sonnenstrahlen im Frühling schnell abzubauen sein. Die Klassiker: Regenmarkisen, Gastroschirme, Sonnensegel und Pergolen. Je nach den Gegebenheiten vor Ort eignet sich das eine oder andere Produkt besser. Soll der Außenbereich auch in den kommenden Jahren beibehalten werden, bietet es sich an, in fest installierte Pergolen, Terrassendächer oder Zelte zu investieren. Dadurch können an rund 80 weiteren Tagen im Jahr zusätzliche Tische und Stühle angeboten werden, wodurch sich der finanzielle Einsatz schon nach wenigen Jahren rentiert.

Zusätzlicher Tipp: Wenn du stattdessen auf eine Lösung mit Gastroschirmen zurückgreifen möchtest, ist es empfehlenswert, eckige statt runde zu wählen. Unter eckigen Schirmen lassen sich Tische und Stühle besser arrangieren und bieten somit einen effizienteren Schutz vor Frühlingsregen.

Eine überwucherte Pergola ist nicht nur Blickfang, sondern auch ein natürlicher Witterungsschutz.
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Ein großes Party- oder Gastrozelt bietet einen wettergeschützten Platz für weitere Gäste im Außenbereich.
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Eine Markise lässt sich relativ einfach an der Hauswand anbringen und bietet Schutz vor Sonne und Regen.
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Unter eckigen Gastroschirmen lassen sich Tische und Stühle besser arrangieren.
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Tipp 5: Bestuhlung und Tische – Es muss nicht teuer sein

Grundsätzlich sollte sich der Außenbereich dem Ambiente der Gastronomie annähern. Wie auch im Innenbereich deines Betriebes ist Outdoor auf einen ansprechenden Stil, harmonische Farben und schöne, gemütliche Möbel zu achten, die zusätzlich wetterfest sein sollten. Ob du bei deinen Möbeln auf Korb, Holz oder Eisen setzt und ob die Stühle gepolstert sind oder nicht, ist ganz dir überlassen. Aber Achtung: Der Frühling liegt vor uns, eine regenstarke Jahreszeit. Bei der Auswahl von Tischen und Stühlen wäre es deswegen empfehlenswert, auf wasserabweisende und rasch abwaschbare Oberflächen zu setzen. Das lässt sich bei Tischen z.B. kostengünstig und praktisch durch Tischdecken aus Kunststoff oder Wachstuch erreichen.

Muss dein neuer Outdoor-Bereich nur für kurze Zeit einsatzfähig sein, lässt sich das mit ein wenig Kreativität und DIY-Mentalität auch für kleines Geld verwirklichen. Warum nicht provisorische Palettenmöbel aufstellen? Oder den vor kurzem geschlagenen Baum zu stylischen Hockern aus Baumstümpfen ummodeln? Denke daran: Deine Gäste werden sich einfach nur freuen, endlich wieder bei dir einkehren zu dürfen. Da wird über etwas schlichtere Verhältnisse bestimmt hinweggesehen.

Palettenmöbel können Outdoor zum günstigen Hingucker werden.
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Der Mix verschiedener Materialien, wir Holz. Eisen und Kunststoff, liegt im Trend.
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Gemütliche Korbstühle sind Outdoor immer eine gute Wahl!
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Wer seinen Gästen einen besonders angenehmen Sitzkomfort bieten möchte, sollte zu gepolsterten, aber wetterfesten Loungemöbeln greifen.
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Tipp 6: Es werde Licht – Erhellende Momente

Wir haben eine dunkle Zeit hinter uns und es scheint so, als würde diese auch weiterhin einen Schatten auf die kommenden Monate werfen. Bringe deswegen etwas Licht ins Leben deiner Gäste! Ob Lichterketten, integrierter LED-Beleuchtung in Sonnenschirmen, Lampions oder Kerzen, Licht fällt auf und erzeugt eine wohlige Atmosphäre.

Unterschiedliche Lichtakzente können den Außenbereich ein einladendes Ambiente verschaffen.
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Unauffällige Lichtquellen können den Gästen den Weg weisen.
© Lichtstudio Eisenkeil

Tipp 7: Heizstrahler, Decken und Co – Halte deine Gäste warm

Weil sie als Energieverschwender und Umweltsäue angesehen werden, gelten in Österreich unterschiedliche Regelungen rund um das Thema Heizstrahler im Freien. Während Heizpilze in Innsbruck, Bregenz und Linz grundsätzlich verboten sind, dürfen elektrische Wärmespender in Wien nur mit Genehmigung der Stadt aufgestellt werden, wobei Abgaben in der Höhe von 57 Euro pro begonnener 4 kw Nennanschlussleistung pro Jahr geleistet werden müssen. Im Winter 2020 wurde die Debatte über Heizstrahler neu entfacht. Zu einem neuen Beschluss ist es bisher noch nicht gekommen. Aber es gibt auch nachhaltigere Alternativen: Biete deinen Gästen ausreichend Decken und Warmgetränke. Oder vielleicht gibt es in deinem Gastgarten eine oder mehrere wärmende Feuerstellen? Besonders sympathisch wirkst du, wenn du an deine frierenden Gäste Heizkissen (z.B. Kirschkernkissen) oder Wärmeflaschen verteilst. Damit stellst du auch sicher, dass deine Gäste sich wohler fühlen, länger bleiben und mehr konsumieren.

Tipp 8: Werbemaßnahmen – Hier bin ich!

Zusätzlich zum ansprechenden äußeren Erscheinungsbild deines Außenbereichs solltest du weitere Marketing-Maßnahmen setzen, um auf dich aufmerksam zu machen. Feiere beispielsweise deine Wiedereröffnung in großem Rahmen und veranstalte dafür ein Outdoor-Cooking-Event. Mache Werbung auf deinen Social Media-Kanälen, biete für die erste Woche deiner Gastgarten-Öffnung Sonderrabatte oder Goodies an. Und stelle gut sichtbar aussagekräftige Werbetafeln auf. Attraktiv gestaltete Aufsteller können dem Gast saisonale Speisen und Getränke schmackhaft machen. Achte dabei auf die passende Schriftgröße. Deine Tafel sollte auch noch von etwas weiter weg gut lesbar sein. Du kannst deinen Aufsteller auch mit kleinen Zeichnungen oder Symbolen auflockern. Lustige Sprüche werden gerne von deinen Gästen fotografiert und auf Social Media gepostet, was deinem Restaurant zu kostenloser Reichweite verhilft.

Zusätzlicher Tipp: Die Werbetafel sollte in regelmäßigen Abständen neu gestaltet werden, um Abwechslung zu bieten. Immer gleich aussehende Aufsteller sind schnell langweilig und werden übersehen.

Tipp 9: Registrierungspflicht – Digitale Tools können helfen

Eine Voraussetzung für die Wiedereröffnung der Gastronomie in Vorarlberg bleibt die Registrierungspflicht der Gäste. Vermutlich wird diese Maßnahme auch auf den Rest Österreichs ausgeweitet, sobald hier Öffnungsschritte gesetzt werden. Für die Gastronomie bedeutet das in erster Linie aber einen großen bürokratischen Aufwand. Abhilfe schaffen die vielen digitalen Tools, die der Zettelwirtschaft den Kampf ansagen. Mit dem österreichischen Start Up „Ibindo“ haben wir bereits im Herbst vergangenen Jahres ein Interview geführt. Aber auch die Unternehmen MyTap aus Krems, iStaySafe.at oder die Gast App bieten mittlerweile eine digitale Kontaktverfolgung an.