• 6. - 10. November 2021
  • Messezentrum Salzburg

Wintersaison 2020/2021: Was erwartet uns nach dem Sommerloch?

Im November veröffentlichte Statistik Austria die Tourismusanalyse der Sommersaison 2020. Nun gibt das WIFO einen darauf basierenden Ausblick auf die Wintersaison 2020/21. Wir haben alle Daten und Fakten zusammengefasst.

Sommer 2020: Einnahmeminus von rund 30,5 Prozent

War die Vorsaison im Mai und Juni noch vom ersten Lockdown und weitreichenden Reisebeschränkungen geprägt (Gästeankünfte ‑73,7 Prozent, Übernachtungen ‑70,0 Prozent), entspannte sich die Lage von Juli bis September deutlich (Ankünfte ‑24,2 Prozent, Nächtigungen ‑13,7 Prozent), bevor der Tourismus in Österreich infolge gestiegener Infektionszahlen und neuerlicher Reisewarnungen auf wichtigen Quellmärkten im Oktober wieder stärkere Rückgänge verzeichnete (mit ‑57,5 Prozent bei Ankünften und ‑49,2 Prozent bei Übernachtungen). Von Mai bis Oktober 2020 beliefen sich die nominellen Einnahmen auf 10,10 Mrd. Euro. Damit lagen diese um 30,5 Prozent unter dem bisherigen Höchstwert von 2019.

Von Mai bis Oktober 2020 gab es, verglichen zu 2019, große Einbrüche bei Gästeankünften und Übernachtungen in Österreich.

Originalbild © Unsplash/Rhema Kallianpur
Grafische Ergänzungen © Reed Exhibitions Österreich/Jana Neugebauer
Daten © Statistik Austria

Inländische Gäste als rettender Anker  

„Die Corona-Pandemie hat die touristische Sommersaison kräftig gebeutelt. Die Zahl der Nächtigungen war in den Monaten Mai bis Oktober mit 25,15 Mio. Nächtigungen um rund ein Drittel niedriger als im Vorjahreszeitraum.“, sagt Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas. Waren es Juli bis September 2019 noch 59 Prozent, übernachteten im gleichen Zeitraum 2020 rund 73 Prozent inländische Reisende in Österreich. „Besonders die Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland sind aufgrund der Corona-bedingten Reisebeschränkungen regelrecht eingebrochen und haben sich fast halbiert. Etwas abgefedert wurde die Negativbilanz durch Nächtigungen inländischer Gäste", so Thomas. 

Einbruch im Städtetourismus 

Durch seine hohe Abhängigkeit von internationalen Märkten und den Einschränkungen im Flugverkehr war der Städtetourismus in Wien von dem Ausfall ausländischer Gäste besonders betroffen. Die Sommernächtigungen schrumpften hier um insgesamt rund 81 Prozent. Die negative Entwicklung in der Bundeshauptstadt strahlte durch die Absage von Großveranstaltungen auch auf das benachbarte Niederösterreich aus, Bundesländer mit Seen und Aktivsportangeboten sowie einem dominierenden Anteil Binnenreisender, darunter Kärnten, Burgenland und die Steiermark, bilanzierten dagegen mit wesentlich geringeren Verlusten. 

Deutsche Gäste auf Rang 1  

Verglichen mit dem Normalsommer 2019 stieg die Bedeutung inländischer Gäste 2020 auf 41,2 Prozent der Saisonnächtigungen. Unter den Auslandsmärkten blieb Deutschland mit knapp 41 Prozent der Gesamtnachfrage weiterhin das wichtigste Herkunftsland, das Nächtigungsvolumen lag zudem nur rund ein Viertel (‑25,7 Prozent) unter dem Niveau von 2019. Massive Einbußen gab es bei Reisenden aus bereits länger und stärker von der Krise betroffenen Ländern, darunter Italien, Frankreich, Spanien, USA und Israel.  

Aufenthaltsdauer stieg 

Die von der COVID-19-Krise überschattete Sommersaison 2020 brachte nicht nur eine Verschiebung im Gäste-Mix mit sich, sondern veränderte auch das Reiseverhalten im Hinblick auf Häufigkeit und Dauer: Orts- und Unterkunftswechsel während derselben Reise nahmen merklich ab, sodass die Aufenthaltsdauer in heimischen Beherbergungsbetrieben im Durchschnitt von 2,98 auf 3,66 Nächte stieg. Ein ähnlich hoher Wert wurde zuletzt im Sommer 2007 erreicht.  

Ferienhäuser boomten  

Die Verunsicherung der Gäste in Bezug auf eine mögliche Ansteckung mit COVID-19 und die daraus resultierenden Folgen (Quarantäne usw.) beeinflusste im Sommer 2020 auch die Wahl der Unterkunftsart maßgeblich: So verlagerte sich die Nachfrage von der dominierenden Hotellerie deutlich zugunsten von Ferienwohnungen und ‑häusern. Dieser Beherbergungstyp erfreute sich bereits seit der Saison 2011 stetig wachsender Beliebtheit, infolge der COVID-19-Pandemie dürften jedoch insbesondere die Möglichkeit zur Selbstversorgung und die Distanz zu anderen Gästen die Wahl dieser Quartierform begünstigt haben. Die Nachfrage auf Campingplätzen sowie in Unterkünften für Kinder und Jugendliche, Kurheimen, bewirtschafteten Schutzhütten und sonstigen Quartieren hingegen schrumpfte im Mittel um 28 Prozent. 

Wintersaison 2020/21 

In einem Szenario der Nächtigungsentwicklung für die gesamte Wintersaison 2020/21 (November 2020 bis April 2021) wird davon ausgegangen, dass in den Hauptmonaten Jänner und Februar 2021 alle aktuell bestehenden Reisewarnungen aufrecht bleiben. Die Auslandsnachfrage kommt damit fast vollständig zum Erliegen. Erst in der Nachsaison (März und April) ist demnach mit einem relevanten Aufkommen ausländischer Gäste zu rechnen. Somit wäre der österreichische Tourismus in vier von sechs Monaten (November bis Februar) mit einem fast vollständigen Ausbleiben ausländischer Gäste konfrontiert.  

Nächtigungsrückgang von 70 Prozent 

Schätzungen des WIFO auf Basis dieser Annahmen ergeben einen Rückgang der Nächtigungen von insgesamt rund 70 Prozent im Vergleich zu der (pandemiebedingt bereits verkürzten) Wintersaison 2019/20 sowie von etwa 75 Prozent im Vergleich zum Winter 2018/19. Diesem Wert liegen ein Rückgang der von inländischen Gästen getätigten Nächtigungen von 44 Prozent sowie der ausländisch nachgefragten Nächtigungen von rund 78 Prozent zugrunde. Die Einnahmen der Tourismusunternehmen werden darüber hinaus auch durch erhebliche Rückgänge bei Tagesgästen vermindert. 

 

(Quelle: WIFOStatistik AustriaAPA OTS)