26.04.2022
Ein Text von Jana Neugebauer

Orange Wine: Ein Trend, gekommen, um zu bleiben?

Ist Orange Wine einfach ein oranger Wein? Woher kommt er, wie entsteht er und nach was schmeckt er? Wir gehen dem Phänomen des farbenfrohen In-Getränks nach.

© Unsplash/Hanna Schwichtenberg

Oranger Wein ist weitaus mehr als ein interessantes farbliches Phänomen! Das In-Getränk der letzten Jahre kommt in vielen verschiedenen Farbnuancen und Aromen daher. Der Geschmack von Orange Wine ist für viele Liebhaber des konventionellen Weins gewöhnungsbedürftig. Dieser Beitrag ist ein Versuch, diesem Phänomen auf die Spur zu kommen. Das Wichtigste zuerst: Probieren lohnt sich!

Orange Wine: eine Definition, viele Varianten

Kann eine Farbe einen Wein definieren? Ja - sofern man sich dabei mit einer ganz allgemeinen Antwort zufrieden gibt. Schon auf den ersten Blick unterscheidet sich Orange Wine auffällig von anderen Weinen. Er leuchtet in sanftem Orange. Ob er sich durchscheinend oder opak entwickelt und ob er einen eher dunklen oder hellen, rötlichen oder gelblichen Bernsteinton annimmt, hängt von mehreren Faktoren ab: von den Trauben, von der Art ihrer Vinifizierung und davon, ob er im Holzfass oder andernorts heranreift.

Die Orange Wine Herstellung

Der interessante, oft ein wenig trübe Orangeton entsteht, wenn weiße Trauben auf der Maische vergoren werd. Zur Erinnerung: Bei der Vinifizierung zum Weißwein kommen die Beeren direkt nach der Lese in die Presse. Der dabei ablaufende Most wird vorgeklärt und wandert zum Zwecke der alkoholischen Gärung in den Gärtank. Anders bei der Herstellung von Orange Wine. Für ihn lässt der Kellermeister den Most zunächst auf den Beerenschalen stehen, und die alkoholische Gärung verläuft wie sonst beim Rotwein. Man könnte Orange Wine also auch als Weißwein betrachten, der durch Eigenschaften roter Weine "veredelt" wurde.

Die Ursprünge oranger Weine

Orange Wine ist keine Erfindung unseres Jahrhunderts. Tatsächlich geht die Herstellung dieser Weine auf uralte Traditionen zurück. In Georgien beispielsweise war der Ausbau weißer Weine auf der Maische schon vor 4.500 bis 5.000 Jahren gang und gäbe. Die Weine fermentierten in großen, Qvevri genannten Amphoren, die in den Boden eingelassen waren. Einige Winzer in der südlichen Kaukasus-Region verwenden solche Terracotta-Gefäße noch heute. Auch in Italien, Deutschland und nicht zuletzt Österreich ist diese Methode der Vinifizierung neuerdings (wieder) anzutreffen, wobei nachhaltiger ökologischer Weinbau meistens überwiegt.

Ist Oranger Wein dasselbe wie Naturwein?

Hinter einem Orange Wine kann ein Wein ohne jeden Zusatz stehen, das ist aber nicht zwingend. Mancher biologisch produzierte Weißwein nimmt bald eine etwas dunklere, meistens zart bräunliche Färbung an. Das liegt allerdings lediglich daran, dass die meisten Vins naturels ohne Zugabe von Schwefel hergestellt werden und deshalb mehr oder wenige stark oxidieren. Zum Orange Wine qualifiziert sie das nicht, denn es fehlen ihnen die für einen Wein dieses Stils typischen Tannine aus den Beerenschalen. Allerdings stammen Orange Wines sehr häufig aus nachhaltigem, biologisch dynamischen oder biologischem Weinbau.

Orange Wine - Geschmack & Food Pairing

Keine Frage - nicht jedem schmeckt Orange Wine und der Genuss kann etwas Übung erfordern. Weil er Phenole und Tannine enthält, machen sich oxidative Noten bemerkbar. Hat sich dein Gaumen mit einem guten Wein dieses Typs angefreundet, wirst du ihn als komplex und vielleicht sogar cremig erleben, nicht selten mit Noten von Zitrusfrüchten, Feigen, Honig, Nüssen, Tabak und Heu. Gemäßigt oxidative Orange Wines passen ausgezeichnet zu salzigen Speisen und Snacks. Sie harmonieren mit dunkler Schokolade (zum Beispiel mit Einschlüssen von Meersalzflocken) ebenso gut wie mit Tahini, Mixed Pickels oder Wasabi-Erbsen. Das muss ein Wein erstmal hinkriegen! Für den vollen Genuss solltest du Orange Wine bei einer Trinktemperatur von 14 bis 15 Grad genießen. Kühlschrankkalt kommen - ähnlich wie bei zu kalt serviertem Rotwein - Bitterstoffe und saure Töne aufdringlich zum Vorschein.

In welchen Sorten ist Orange Wine erhältlich?

Auf den meisten Etiketten ist/sind die Rebsorte(n) vermerkt, aus denen der Wein hergestellt wurde. Eine größere Rolle für die Geschmacksentwicklung spielen bei der Produktion von Orange Wine jedoch die zahllosen Aromen, die die Maischegärung freisetzt. Soll heißen: Ein Orange Wine aus Sauvignon Blanc hat meistens kaum etwas mit einem klassischen Weißwein aus dieser Traube zu tun. Bleibt dir also nur eins: Probieren und durchtesten!

Zu den Beispielen für hervorragenden Orange Wine aus Österreich zählen - neben vielen anderen, die darauf warten, dass du sie entdeckst - der in Holzfass und Amphore gelagerte 2018er Traminer von Andreas Gsellmann sowie die Orange Wines der Linie "Raw" vom selben Weingut. Für ihre Produktion werden handgelesene Trauben gerebelt, dann acht Wochen auf der Maische stehen gelassen. Anschießend reifen sie für 18 Monate in kleinen Eichenholzfässern

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