05.04.2022
Ein Interview von Jana Neugebauer

Beleuchtung als Wissenschaft: Ein Lichtgestalter im Interview

Lichtgestalter Alexander Magyar gibt praktische Ratschläge rund um die passenden Lichtkonzepte für verschiedene Räumlichkeiten in Hotellerie und Gastronomie.

Alexander Magyar ist professioneller Lichtgestalter und entwickelt mit seinem Unternehmen Illuminator Lichtgestaltung Lichtkonzepte für seine Kunden.
© Illuminator Lichtgestaltung

RX Austria & Germany: Herr Magyar, Sie bezeichnen sich selbst als „Lichtgestalter“. Ein sehr spezieller Beruf, den Sie mit Ihrem Unternehmen "Illuminator Lichtgestaltung" ausführen. Was macht ein Lichtgestalter genau?

Alexander Magyar: Kurz gesagt positioniert ein Lichtgestalter das richtige Licht an den richtigen Stellen. Ich erstelle für meine Kunden individuelle Lichtkonzepte, angepasst an die Architektur und das Interieur. Mein Ziel ist es, durch Licht und Schatten eine Atmosphäre und Stimmung zu erschaffen, die den Raum und seine Funktion betont. 

RX: Man könnte ja behaupten, Lampen aufhängen und Glühbirnen einschrauben kann jeder, auch der Elektriker von Nebenan. 

Magyar: Das dachte ich auch lange Zeit, bis ich dann wie die Jungfrau zum Kind in die Lichtbranche reingerutscht bin. Ich bin gelernter Tischler und habe viele Jahre im Bereich der Inneneinrichtung und auch der Beleuchtung gearbeitet. Ich dachte auch, dass ich mich mit Lichtkonzepten auskenne, bis ich die Lichtakademie der Firma Bartenbach besuchte. Christian Bartenbach ist Spezialist für Beleuchtungstechnik und ein Pionier der Lichtplanung. Sein Unternehmen ist für seine Lichtinstallationen international bekannt und hoch angesehen. Was ich in der Akademie gelernt habe, hat meine Sicht auf das Thema Beleuchtung völlig verändert.

RX: Inwieweit? Was machen Sie mit ihrem Know-how anders?

Magyar: Licht ist eine echte Wissenschaft! Nicht nur wenn es um die richtige Positionierung der Leuchtmittel geht, auch bei der Frage, welche LED genutzt wird. Ein großes Problem ist, dass es bei der Leuchtdiode keine Norm gibt. Die LED ist kurz gesagt eine Platine, die eingefärbt wird. Jeder Hersteller hat ein anderes Produktionsverfahren und dementsprechend gibt es viele verschiedene Lichtfarben. Man weiß nie, was man bekommt. Das ist einerseits das große Problem für den Endverbraucher, andererseits mein großes Glück, weil sehr viel Schrott verkauft wird. Mein Ziel ist es, für den Kunden die bestmögliche Qualität der LED einzuplanen und diese an den richtigen Positionen im Raum zu platzieren.

RX: LED ist also nicht gleich LED? Wie kann ein Laie die passende Leuchtdiode für seine Bedürfnisse finden?

Magyar: Ein wichtiger Anhaltspunkt ist der Wert CRI, der Color Rendering Index oder auf Deutsch „Farbwiedergabeindex“. Er gibt an, wie regelmäßig die Verteilung der Spektralfarben in der LED ist. Der richtige CRI ergibt sich auch im Zusammenspiel mit der Farbe der Fläche, die man ausleuchten möchte. Wie gesagt, die perfekte Beleuchtung ist eine Wissenschaft. Grundsätzlich sollte der CRI aber so hoch wie möglich sein, zwischen 97 und 100. Außerdem sollte man immer flackerfreie LEDs verlangen. Mit Leuchtdioden von belgischen Herstellern macht man selten etwas falsch, diese haben eine sehr hohe Qualität. 

RX: Gibt es in der Beleuchtung so etwas wie Trends?

Magyar: Nicht wirklich. Generell bin ich kein Fan von Trends. Lichtlösungen müssen meiner Meinung nach an die jeweilige Räumlichkeit und ihre Funktion angepasst werden, nicht an momentan vorherrschende Trends. 

Kleine punktuelle Lichtquellen und indirekte Beleuchtung verleihen dem Hotelzimmer schlichte Eleganz.
© Illuminator Lichtgestaltung/Hotel Der Galerist © Illuminator Lichtgestaltung/Hotel Felsenhof

Eine schwenkbare Leselampe darf an keinem Hotelbett fehlen.
© Illuminator Lichtgestaltung/Hotel Der Künstler

RX: Was sind Ihre persönlichen Tipps für die perfekte Beleuchtung im Hotelzimmer?

Magyar: Im Hotelzimmer sollte es mein Ziel sein, eine gemütliche Wohnzimmeratmosphäre zu erzeugen. Dafür bietet es sich an, gezielte Lichtpunkte zu setzen und zu viel Grundlicht zu vermeiden. Ich arbeite gerne mit kleinen Lichtquellen, die sich im Hotelzimmer unbedingt individuell dimmen lassen sollten. Dadurch kann man die Lichtstimmung auf die jeweilige Situation anzupassen. Auch die „Dim-to-Warm“-Funktion sollte jede LED können. Damit wird der wärmer werdende Lichteffekt beim Herunterdimmen von LEDs bezeichnet.

RX: Das Herz des Hotelzimmers ist das Bett. Worauf ist hier bei der Beleuchtung zu achten?

Magyar: Im Bettbereich benötigt es auf jeden Fall eine kleine, schwenkbare Leselampe, die sich an jede Position des Gastes anpasst. Die Hinterleuchtung des Bettes am Kopfende kann als zusätzlicher Effekt und zur indirekten Beleuchtung des Raumes genutzt werden. Ansonsten bieten sich am Betthaupt eine Stehleuchte oder eine Wandleuchte an. 

RX: Wie sieht die passende Lichtinstallation im Badezimmer aus?

Magyar: Im Badezimmer ist die Spiegelbeleuchtung das Um und Auf. Das machen alle falsch!

RX: Wirklich? Wieso das?

Magyar: Viele setzen Spots an die Decke oder installieren eine Lichtleiste, die von oben strahlt. Das wirft unvorteilhafte Schatten auf das Gesicht und den Körper. Im Badezimmer braucht es, gerade vor dem Spiegel, eine vertikale Beleuchtung links und rechts. Nur so wird das Gesicht optimal ausgeleuchtet. Ein kleiner schwenkbarer Schminkspiegel mit eingebautem Lichtkreis ist im Badezimmer ein super Zusatz. 

Vertikale Spiegelbeleuchtung ist in jedem Badezimmer ein Muss.
© Illuminator Lichtgestaltung/Hotel Felsenhof

RX: Welche Tipps können Sie für die Beleuchtung im Gastraum geben?

Magyar: Im Gastraum würde ich dazu raten, nur die Tische zu beleuchten. Dadurch vermeidet man ein zu starkes Umgebungslicht. Maximal eine sanfte Hinterleuchtung könnte man als zusätzlichen Effekt einsetzen. Bei den Lichtquellen sollte man außerdem darauf achten, dass diese die Gäste nicht blenden, aber trotzdem hell genug sind, damit die Gerichte perfekt zur Geltung kommen. Pro Tisch sollte eine Helligkeit von 300 Lux erreicht werden.

Im Juwel in Wien entsteht durch die die Beleuchtung ein wahres Kunstwerk.
© Illuminator Lichtgestaltung/Juwel Wien

Im Bootshaus in Wien betont die Beleuchtung das schöne Giebeldach mit seinen offenliegenden Balken.
© Illuminator Lichtgestaltung/Das Bootshaus

In der Swing Kitchen werden überall kleine Lichtakzente gesetzt und der Name in der Beleuchtung hervorgehoben.
© Illuminator Lichtgestaltung/Swing Kitchen

Im Tian in München liegt der Fokus der Beleuchtung auf den Tischen. 
© Illuminator Lichtgestaltung/Tian München

RX: Ganz so hell sollte es im Wellnessbereich wahrscheinlich nicht sein, oder?

Magyar: Nein, hier arbeitet man am besten viel mit indirektem Licht und verschiedenen Lichtfarben. Eingefärbte LEDs in rot, grün und blau können aber auch schnell billig wirken. Eine dezente und vor allem passende Positionierung ist hier essenziell. Grundsätzlich sollte man im Wellnessbereich mit gemütlichen warmen Lichtquellen arbeiten. Dass die Beleuchtung nicht blendet, ist ganz besonders wichtig, um der Entspannung keinen Abbruch zu geben. 

RX: Die Großküche wiederum ist ein Arbeitsplatz. Wie sieht hier das passende Lichtkonzept aus?

Magyar: Jede Küche, egal ob Großküche oder die Küchenzeile im privaten Haushalt, sollte hell und fast schattenfrei ausgeleuchtet werden. Immerhin hantiert man hier mit Lebensmitteln und scharfen Messern. Da muss der Koch genau sehen, was er macht. Trotzdem kann man auch in der Küche stilvolle Lampen einsetzen, die zum Eyecatcher werden. 

RX: Vielen Dank für die spannenden Insights in Ihren Beruf und die vielen Tipps für die perfekte Beleuchtung in Gastronomie und Hotellerie!

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