• 07. - 09. November 2020

Zettelwirtschaft adé! ibindo.at digitalisiert Corona Gästeblatt & Speisekarte

Das österreichische Start Up von Daniel Haas und seinem Team bietet Gastronomen kostenlos eine digitale Lösung für das Corona Gästeblatt an, welches seit Montag dieser Woche in Wien verpflichtend ist. Wir haben ihn interviewt.  

Seit Montag gilt in Wien die Registrierungspflicht für Gäste in Lokalen. Damit soll das Contact Tracing bei Coronavirusinfektionen in gastronomischen Betrieben erleichtert werden. Für die Gastronomie bedeutet diese Verordnung in erster Linie aber einen großen bürokratischen Aufwand. Formblätter müssen ausgedruckt, aufgelegt und händisch vom Gast ausgefüllt werden. Die Gästeblätter müssen dann von den Gastronomen gesammelt und vier Wochen lang aufbewahrt, danach vernichtet werden. Bei einem Verdachtsfall hat der Gastronom die Aufgabe, im angesammelten Zettelhaufen herauszusuchen, welche Personen am selben Tag und zur gleichen Uhrzeit wie die erkrankte Person im Restaurant anwesend waren – eine Mammutaufgabe! Unternehmen, die sich weigern, Formulare aufzulegen, müssen mit Strafen rechnen.  

Schlauer und effizienter ist, wer in dieser Situation digitale Tools und Softwarelösungen nutzt. Eines dieser Tools haben wir uns genauer angesehen und ein spannendes Gespräch mit Gründer Daniel Haas von ibindo.at geführt.  

© ibindo
Das Team hinter ibindo: (v.l.n.r.) Stefan Romstorfer (Marketing & Design), Michael Brayer (CTO) und Daniel Haas (CEO)

Reed Exhibitions: Hallo Daniel, euer Start Up kommt ja wirklich genau zur richtigen Zeit. Vielleicht erzählst du mir erstmal, wie ihr entstanden seid und was die grundlegende Idee hinter ibindo ist?

Daniel Haas: Angefangen hat eigentlich alles so, dass ich meine Freundin dabei unterstützt habe, eine Wohnung ihrer Eltern auf AirBnB zu vermieten. Wir haben das ganz offiziell gemacht und mussten jeden Gast ein Gästeblatt ausfüllen lassen, pro Gast berechnen, welche Ortstaxe er zu zahlen hat und jeden Monat die Nächtigungsstatistik für Statistik Austria ausfüllen. Das war wahnsinnig viel Arbeit und ich habe trotz Suche keine Möglichkeit gefunden, das kostengünstig outzusourcen. Deswegen habe ich mir für dieses Problem einfach selbst eine Lösung überlegt.

Reed Exhibitions: Wie unterscheidet sich eure Software von bereits bestehenden Lösungen?

Haas: Bestehende Softwares waren für kleine Anbieter oft zu teuer und für große Anbieter nicht skalierbar. Ich wollte mit ibindo ein Tool anbieten, mit dem man von der 1-Zimmer-Wohnung bis zum Feriendorf mit 500 Wohneinheiten alles abdecken kann. Gemeinsam mit meinem Team, CTO Michael Brayer und Stefan Romstorfer, der für Marketing und Design verantwortlich ist, ist uns das auch gut gelungen. Von der ersten Idee im Oktober 2019 bis zum Launch im Juli 2020 ging alles sehr schnell. Auch jetzt ist jeder Tag eine neue Herausforderung, insbesondere seitdem wir zusätzlich das digitale Corona Gästeblatt anbieten.  

Reed Exhibitions: Wie funktioniert euer digitales Corona Gästeblatt? Wie kann der Gastgeber aber auch der Gast davon profitieren?

Haas: Der Gastronom erstellt sich auf ibindo.at/corona ein kostenloses Profil für sein Objekt, also sein Restaurant, sein Café, seine Würstelbude, was auch immer. Danach kann er sich einen QR-Code ausdrucken und diesen auf den Tischen auflegen, z.B. als Tischständer. Dahinter steckt ein einfacher Link, der auch auf der eigenen Website eingebunden werden kann. Wenn der Gast diesen Code mit seiner Smartphone-Kamera scannt, wird er mittels eines Links auf die Website von ibindo weitergeleitet, wo er das Gästeblatt der Lokalität ganz einfach mit seinen Daten ausfüllen kann. Die Daten werden auf unserer Gastro Cloud gespeichert. Der Gastronom sieht in seinem Profil alle Gäste, die sich registriert haben, inklusive Datum, Uhrzeit und Tischnummer.

Reed Exhibitions: Was passiert, wenn der Gastronom tatsächlich einen (Verdachts-)Fall zu vermelden hat? Wie kann ihm ibindo dann helfen?

Haas: Sollte ein (Verdachts-)Fall in seiner Lokalität auftreten, kann der Gastronom mit ibindo in wenigen Minuten mittels Suchfunktion alle relevanten Kontaktpersonen herausfiltern und informieren sowie bei Bedarf schnell und übersichtlich an die Gesundheitsbehörde weiterleiten. Alle Daten werden nach 28 Tagen automatisch gelöscht. Papier und langwieriges Rumgewurschtel und -gesuche wird dadurch obsolet. Weil auch die Speisekarte eine ziemliche Virenfalle sein kann und eine regelmäßige Desinfektion nur mit viel Aufwand zu bewältigen ist, kann der Gastronom seine ibindo-Cloud bald zusätzlich durch eine digitale Speisekarte erweitern.

Reed Exhibitions: Und das bietet ihr tatsächlich kostenlos an? Warum? Immerhin seid ihr ein sehr junges Unternehmen und könntet jede Einnahme bestimmt gut gebrauchen. 

Haas: Ja, die ibindo Gastro Cloud ist für Einzelbetriebe, Veranstalter und Wirte komplett kostenlos. Für Restaurantketten mit mehreren Objekten und Eventagenturen gibt es günstige Staffelpreise ab 15,- Euro pro Location und Monat.

Unser Gedanke war, dass wir eine vorhandene Technologie haben, die wirklich State of the Art ist, die wir sehr leicht adaptieren können. Wir möchten als Start Up etwas an die Gesellschaft zurückgeben und ich freue mich, wenn ich in zehn Jahren sagen kann: „Ich habe in der Pandemie eine echte Lösung für die Branche entwickelt!“.

Gleichzeitig hoffen wir natürlich auf gute PR. Die Gastronomie ist ja mit der Hotellerie stark vernetzt, da ergeben sich positive Synergieeffekte. Wenn wir der Branche helfen, denkt diese womöglich auch in Zukunft an ibindo.

© ibindo

ibindo.at stellt Gastronomen ein kostenloses, digitales Corona Gästeblatt zur Verfügung

 

Reed Exhibitions: Was sagt ihr zu Menschen, die sich um ihre Daten Sorgen machen und auf Grund der Registrierungspflicht nicht mehr ins Restaurant wollen?

Haas: Uns war es sehr wichtig, mit ibindo allen Usern komplette Rechtssicherheit zu bieten und natürlich DSGVO-konform zu arbeiten. Deswegen beschäftigen wir eine eigene GmbH, die sich nur für das Thema Datenschutz verantwortlich zeigt. Von uns wird keiner nachträglich zugespammt. Generell bin ich der Meinung, dass Angst völlig unbegründet ist. Bei den Corona Gästeblättern geht es ums Wohl aller und darum, das Contact Tracing zu erleichtern. Ich denke nicht, dass es in der Gastronomie passieren wird, dass man nachträglich ungefragt Werbung oder ähnliches erhält, denn der Gastgeber möchte ja, dass seine Gäste wiederkommen. Wenn er sie mit unerwünschten Nachrichten vergrault, ist das eher kontraproduktiv. Natürlich gibt es schwarze Schafe – leider! Unternehmen, die in so einer Situation missbräuchlich handeln, vergiften das Vertrauen in tolle, digitale Lösungen!

Reed Exhibitions: War Corona dann eher ein Zünder oder ein Dämpfer für euer Start Up?

Haas: Unsere Zielgruppe war ja primär gar nicht die Gastronomie, sondern kleinere Vermieter von short term rentals (STR), beispielsweise Chalets und Ferienwohnungen. Die waren von der Covid-19-Pandemie nicht so schlimm getroffen wie z.B. die Hotellerie, da sie individuelle Unterkünfte mit viel Rückzugsmöglichkeit für den Gast anbieten und immer noch gerne, vor allem von Inlands-Urlaubern, gebucht wurden. 

Reed Exhibitions: Das heißt, die aktuelle Situation hat euch wirtschaftlich und für die Zukunft eures Unternehmens keine Sorgen gemacht?

Haas: Wir haben ja im Lockdown unser Produkt programmiert und gelauncht, da war es sehr wichtig, positiv zu denken. Ich bin sowieso ein Optimist und versuche immer, Chancen zu erkennen und zu nutzen. Das funktioniert bisher sehr gut. Wir hatten auch einfach das Glück, dass wir unser grundlegendes Produkt schon hatten und dann, als der Beschluss der Registrierungspflicht für Wien kam, nur noch umswitchen mussten. Allgemein eröffnen sich durch Corona ganz neue Geschäftsfelder, die riesige Chancen bieten. Etablierte Unternehmen sind jetzt dazu angehalten, neue Wege zu gehen, die Digitalisierung voranzutreiben und Start Up-Thinking in ihre Abläufe zu integrieren. Das finde ich super!

Reed Exhibitions: Und was plant ihr für die Zukunft?

Haas: Ich hasse Zetteln! Deswegen ist unser Ziel in Österreich, für jedes Formular, das die Regierung herausbringt, eine digitale Antwort zu liefern. Dass wir das können, haben wir mit der ibindo Gastro Cloud schon mal unter Beweis gestellt. 

Außerdem bekommen wir derzeit immer mehr internationale Kundenanfragen und sind mit einer der größten Hotelketten der Welt im Gespräch. Darum planen wir eine Expansion, zunächst innerhalb Europas. Obwohl ibindo Mundart für „ich bin da“ ist, lässt sich der Name zum Glück auch international gut vermarkten. 

Reed Exhibitions: Ich bedanke mich für das Gespräch und wünsche euch ganz viel Erfolg! 

 

Das Interview führte Jana Neugebauer, Content Managerin