• 6. - 10. November 2021
  • Messezentrum Salzburg

Die indirekten Verlierer des Lockdowns

Es ist entschieden: Das Weihnachtsgeschäft fällt heuer aus. Zumindest für die Gastronomie und Hotellerie. Welchen Rattenschwanz die Schließung dieser zwei Branchen jedoch nach sich zieht, wird erst nach und nach deutlich. Wir stellen einige indirekte Verlierer vor.

Für die direkten und indirekten Gastronomie-Zulieferbetriebe ist der Wegfall des Weihnachtsgeschäftes eine wirtschaftliche Katastrophe.

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Gerhard Wohlmuth, Bundesobmann des Agrarhandels und Vorsitzender des Weinhandels in der WKÖ
© Bundesgremium des Lebensmittelhandels

Gastronomie-Zulieferer sehen ihre Existenz bedroht 

„Die Entscheidung der Bundesregierung, die Gastronomie und Hotellerie noch bis 6. Jänner geschlossen zu halten, ist aus epidemiologischer Sicht zwar nachvollziehbar. Für die direkten und indirekten Gastronomie-Zulieferbetriebe - von Lebensmittelgroßhändlern über Weinhändler bis hin zu Obst- und Gemüsehändlern – ist der Wegfall des gesamten Weihnachtsgeschäftes jedoch eine wirtschaftliche Katastrophe“, sagt Gerhard Wohlmuth, Bundesobmann des Agrarhandels und Vorsitzender des Weinhandels in der WKÖ. 

Wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand 

Schon zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres seien die Zulieferbetriebe mit einem Wegbrechen des gesamten Gastronomie-Geschäfts über einen Zeitraum von jeweils zwei Monaten konfrontiert, so Wohlmuth. „Die Branche kämpft seit Beginn der zweiten Gastro-Schließung Anfang November mit massiven Umsatzeinbußen von bis zu 90%. Viele Zulieferer haben bereits gravierende Liquiditätsprobleme und stehen wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand. Nun fällt auch noch das gesamte Weihnachtsgeschäft weg. Diese für das Jahresgeschäft erfolgskritischen Umsätze lassen sich in der Gastronomie-Branche nicht wieder nachholen“, so Wohlmuth weiter. 

Staatliche Unterstützung ist dringend nötig

„Die Bundesregierung ist jetzt dringend gefordert, das von ihr bereits versprochene Umsatzersatzmodell für direkte und indirekte Zulieferbetriebe zügig vorzulegen und den betroffenen Betrieben damit Rechtssicherheit und eine wirtschaftliche Überlebenschance zu geben“, unterstreicht auch Christian Prauchner, Bundesobmann des Lebensmittelhandels in der WKÖ. Zeit sei jetzt ein kritischer Faktor, denn viele Zulieferer kämpften aktuell um das nackte Überleben, so Prauchner. 

„Nicht tragbar ist die Situation, dass zwar die Gastronomie seit Anfang November mit einem staatlichen Umsatzersatz von 80% - und fortan 50% - gefördert wird, die Zulieferbetriebe aber bisher keinerlei staatliche Unterstützung erhalten. Für eine funktionierende Nahversorgung in Österreich ist die Zulieferbranche essentiell, da sie nicht nur den gesamten heimischen Tourismus-Sektor beliefert, sondern daneben auch andere Einrichtungen wie Krankenhäuser, Altenheime und Universitäten versorgt. Ohne die Zulieferer können auch diese nachgelagerten Stufen nicht funktionieren – insbesondere auch nicht nach der Krise“, so Prauchner abschließend. 

Auch bäuerliche Gastro- und Hotel-Zulieferer haben zu kämpfen

Die Auswirkungen der Schließung der Gastronomie und Hotellerie haben auch die Landwirtschaft fest im Würgegriff. Es trifft vor allem all jene Bäuerinnen und Bauern hart, die Zulieferer der Gastro- und Tourismusbetriebe sind und deren Produkte zu einem guten Teil im Außer-Haus-Verzehr Absatz finden wie etwa Fleisch, Gemüse oder Wein. Die Krise wirkt sich aber nicht nur auf die wirtschaftliche Lage dieser Bereiche aus, sondern insbesondere auch auf die landwirtschaftliche Urproduktion. Landwirtschaftskammer NÖ-Präsident Johannes Schmuckenschlager fordert daher unbürokratische finanzielle Unterstützung auch für die bäuerlichen Zulieferbetriebe und die landwirtschaftlichen Urproduzenten.

Christian Prauchner, Bundesobmann des Lebensmittelhandels in der WKÖ
© Bundesgremium des Lebensmittelhandels

Bäuerliche Familienbetriebe erhalten 

"Die Landwirtschaft ist systemrelevant und stellt die Versorgung mit Lebensmitteln auch in Krisenzeiten sicher. Das haben die heimischen Bäuerinnen und Bauern gerade in den vergangenen Monaten eindrucksvoll bewiesen. Die bäuerlichen Betriebe sichern weiterhin die Lebensmittelversorgung im Land. Das tun sie zu jeder Zeit, darauf kann sich jeder Einzelne verlassen. Unsere Landwirte müssen sich hingegen darauf verlassen können, dass auch sie berücksichtigt werden, wenn es um staatliche Hilfe geht, um diese schwierige Zeit durch den Wegfall des Außer-Haus-Verzehrs und den fehlenden Absatz in Gastronomie und Hotellerie überbrücken zu können", so Schmuckenschlager.

 "Wir brauchen ein Aussetzen der Biersteuer für das erste Halbjahr 2021, wenn wir nicht in Kauf nehmen wollen, dass in den nächsten Monaten viele Brauereien in Österreich von der Bildfläche verschwinden."

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Sigi Menz, Obmann des Verbandes der Brauereien Österreichs
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Gastro-Lockdown und Biersteuer: Brauereien unter Dauerbelastung

Auch Österreichs Brauwirtschaft ist vom verlängerten Lockdown der Gastronomie und Hotellerie bis Anfang Jänner 2021 massiv betroffen. „Uns als zentrale Lieferanten schmerzt jeder Tag, an dem wir unsere äußerst wichtigen Absatzmärkte nicht bedienen können“, betont Sigi Menz, Obmann des Verbandes der Brauereien Österreichs. „So begrüßenswert die Entlastung der Gastronomie auch ist, so wichtig wäre es, seitens der Bundesregierung endlich die Dauerbelastung der Lieferanten und hier vor allem der Bierbrauer zu beenden. Wir brauchen ein Aussetzen der Biersteuer für das erste Halbjahr 2021, wenn wir nicht in Kauf nehmen wollen, dass in den nächsten Monaten viele Brauereien in Österreich von der Bildfläche verschwinden. Das ist kein frommer Wunsch ans Christkind, sondern eine dringliche Bitte im Namen der österreichischen Brauer.“

„Wir wollen Arbeitsplätze und die österreichische Bier- und Genusskultur erhalten!“

Schon im Sommer - für die heimische Brauwirtschaft die wichtigste Saison - sei man heuer mit erheblichen Umsatzeinbußen konfrontiert gewesen. Nun falle die Wintersaison, zusätzlich verschärft durch das Ausbleiben von Touristen sowie die gänzlich stillgelegte Veranstaltungs- und Eventszene, komplett aus. „Mit einer jährlichen Steuerleistung von rund 700 Millionen Euro sind wir eine tragende Säule der heimischen Wirtschaft und generieren mit jedem Job in einer Brauerei 17 weitere Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette“, führt Menz aus. „Genau darum geht es jetzt. Es geht um den Erhalt von Arbeitsplätzen sowie der österreichischen Bier- und Genusskultur in all ihren Facetten. Was wir dafür jetzt brauchen sind rasche, unbürokratische Unterstützungsmaßnahmen, die unmittelbar bei unseren Brauereien ankommen“, so Menz abschließend. 

 "Die Durststrecke für unsere Betriebe ist einfach nicht absehbar, wir sehen kein Licht am Horizont.“

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Ausfälle bis zu 90 Prozent für Textilreinigerbetriebe

Die Hotelbetten bleiben leer, die Tischtücher sauber. Darunter leiden 450 Textilreinigerbetriebe. Diese und Wäschereien verzeichnen infolge der Schließung der Hotellerie und der Gastronomie Umsatzausfälle bis zu 90 Prozent. Verschärft wird die Situation zusätzlich durch die Verlängerung der Schließung von Gastronomie und Hotellerie vorerst bis 6. Jänner 2021, was für die Betriebe einen weiteren Monat mit minimalen Umsätzen bedeutet.

Bisher keine staatliche Unterstützung

„Während die geschlossenen Bereiche einen staatlichen Umsatzersatz erhalten, schauen wir Textilreiniger bisher durch die Finger“, stellt Branchensprecher Kuno Graßner eine Ungleichbehandlung fest. Ein kostendeckender Betrieb ist unter diesen Umständen auch unter Berücksichtigung von bestehenden Unterstützungen wie Kurzarbeit und Fixkostenzuschuss nicht möglich, zumal ja auch keine Hochzeiten, Weihnachtsfeiern, Kulturveranstaltungen und dergleichen abgehalten werden können. 

Home-Office und schwacher Wintertourismus verschärfen Situation

Der Trend zum Home-Office reduziert die Reinigung von Business-Kleidung auf ein Mindestmaß und wirkt sich ebenfalls nachteilig auf die Auslastung der Betriebe aus. Verschärft wird die Lage noch durch den zu erwartenden schwachen Wintertourismus. „Viele Hotels in den Wintersportorten werden nicht aufmachen, weil zu wenig bzw. keine Gäste kommen werden. Die Durststrecke für unsere Betriebe ist einfach nicht absehbar, wir sehen kein Licht am Horizont“, schätzt Graßner die Zukunftsaussichten ein. „Ohne zusätzliche Unterstützung droht der Branche im nächsten Halbjahr eine Pleitewelle und viele vor der Pandemie gesunde Betriebe könnten in finanzielle Schieflage geraten.“

Graßner appelliert an die Bundesregierung: „Wir fordern, dass für uns Zulieferer der geschlossenen Bereiche umgehend eine Umsatzersatzregelung auf Schiene gebracht wird. Sonst müssen wir zusperren und hunderte Arbeitsplätze werden verloren gehen.“

 

(Quelle: APA OTS)