• 07. - 11. November 2020
  • Messezentrum Salzburg

Corona hits Hotellerie – Können Österreicher 2020 retten?

Im Interview mit ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer über die aktuelle Situation für die Hotellerie und über die Wünsche an die Politik.

©ÖHV
ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer mit einer Momentaufnahme zur aktuellen Situation für die besonders hart betroffene Hotellerie

 

Reed: Gastronomie und Hotellerie sind besonders von der Corona-Krise betroffen. Wie nun bereits bekannt ist, dürfen mit 15. Mai Gastronomen und erst mit 29. Mai Hotels wieder öffnen. Wie ist die Stimmung?

Michael Reitterer: Das wichtigste für die Arbeitgeber im Tourismus war und ist eine klare Perspektive. Die haben wir mit dem konkreten Datum für die Wiedereröffnung der Hotels auch für österreichische Urlaubsgäste.

Reed: Sind die Richtlinien betreffend Maskenschutz und Sicherheitsabstand etc. in der Hotellerie überhaupt umsetzbar? Nehmen wir als konkretes Beispiel Spa‘s und Wellnessbereiche.

Reitterer: Es ist natürlich für ein Wellnesshotel eine besondere Herausforderung. Wobei ich dazu sagen muss, dass die Hotellerie per se mit sehr starken, sehr rigiden Hygienevorschriften gearbeitet hat und eine grundlegende Hygiene in den Hotels einfach an der Tagesordnung ist. Das ist nicht das Problem. Das Thema wird sein, wie diese Sicherheitsabstände und wie auch das Arbeiten für uns und unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aussehen wird. Es geht um den Platz im Frühstücksraum, als auch um die Handhabung der Reinigung der Zimmer. Werden diese nach Belegung gereinigt und neu vergeben oder muss man einen Tag warten? Hier gibt es noch viel zu klären.

Reed: Grenzöffnung/Grenzschließung? Viele Österreicher und Österreicherinnen machen 2020 Urlaub im Lande. Kann das die Hotellerie retten?

Reitterer: Die österreichische Hotellerie ist auf sehr viel mehr Nächtigungen ausgelegt. Wir hatten im Sommer 2019 über 80 Mio. Nächtigungen. Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass von den 9 Mio. Einwohnern Österreichs, vielleicht doppelt so viele wie bis jetzt Urlaub in Österreich machen (das wären dann 46%), dann von ca. 6 Mio. Reisewilligen und dabei von der Hälfte ausgehen (es gibt ja viele Österreicher und Österreicherinnen die auf Kurzarbeit oder arbeitslos geworden sind, das schränkt natürlich zusätzlich ein potentielles Urlauberfeld noch einmal ein), dann wären das ca. 3 Mio. Österreicher/innen die in Österreich Urlaub machen. Wie sollen dann gut gerechnete 3 Mio. die 80 Mio. Nächtigungen abholen?

Natürlich freuen wir uns über jeden österreichischen Gast. Aber ich möchte davor warnen, dass man das jetzt als einen Ersatz sehen kann. Das wird den Sommertourismus nicht retten!

Reed: Was wünschen Sie sich von der Politik?

Reitterer: Planungssicherheit und eine Vision, damit wir wissen in welche Richtung es gehen wird. Zudem ersuchen wir dringend auch bei der Liquidität um Unterstützung. Es haben bereits Sitzungen bei den Banken stattgefunden. Wir hoffen, dass die Vergaberichtlinien nun etwas besser sind und auf diese Art und Weise das Geld bei den Betrieben schneller ankommt. Auch über eine Steuersenkung für die betroffenen Branchen muss diskutiert werden. Wir können jetzt aber nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, müssen gemeinsam mit der Politik eine breitangelegte Steuersenkung für merklich mehr Kaufkraft anstreben. Es geht um viele Arbeitsplätze.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte Elisabeth Baumann-Rott, Content & Brand Management