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31.08.2022
Ein Text von Jana Neugebauer

Funktioniert die 4-Tage-Woche im Österreichischen Tourismus?

Weniger Arbeit bei vollen Bezügen wird in Österreich schon lange intensiv diskutiert. Die 4-Tage-Woche als Lösungsansatz findet bereits Einzug in einigen Betrieben. Das sind ihre Vor- und Nachteile:

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Für einige scheint es nur Vorteile einer 4-Tage-Woche zu geben, doch einige Experten warnen bei der 4-Tage-Woche vor möglichen Nachteilen. Besonders im Hinblick auf die Gastronomie und Hotellerie, die Schwerpunkte des Tourismus in Österreich. Rund 500.000 Menschen in Österreich suchen aktuell eine Arbeitsstelle, die Krise der letzten Jahre hat viele in die Arbeitslosigkeit getrieben, von denen nicht alle bereit sind, zu den bisherigen Konditionen eine Anstellung anzunehmen.

4- oder 5-Tage-Woche in Österreich: oft sind es 6 Tage

In der Gastronomie gibt es Besonderheiten zu berücksichtigen, die in anderen Branchen nicht gelten. Die 4-Tage-Woche im Tourismus ist nur bedingt möglich, Grundvoraussetzung dafür ist, dass der Fachkräftemangel behoben wird oder ein neues Öffnungskonzept entsteht. Viele Unternehmen in der Gastronomie öffnen an sechs von sieben Wochentagen. Für einige Arbeitnehmer war es bisher üblich, sechs Tage in der Woche zu arbeiten, teilweise in Form von Teilzeit, wodurch mehrere Menschen in der Gastronomie angestellt wurden.

Mit der Pandemie kamen die Restriktionen und die beinhalteten Schließungszeiten, die einige Betriebe in die Knie zwangen. Sie mussten entscheiden, ob Angestellte entlassen werden oder stellten diese zu den gegebenen Öffnungszeiten für eine 4-Tage-Woche in Teilzeit ein, damit die Beschäftigten wenigstens einen Teil ihrer Einkommenseinbußen abfedern konnten. Zahlreiche Arbeiter und Arbeiterinnen fanden Gefallen an der Kurzarbeit und sehnen sich seither nach kürzeren Arbeitszeiten bei gleichbleibenden Bezügen. Statt wie bisher sechs Tage in der Woche zu arbeiten, nun also nur noch vier, aber ist das ein tragfähiges Modell für die Zukunft?

4-Tage-Woche in österreichischer Gastronomie

Eine 4-Tage-Woche in der Gastronomie klingt verlockend, zur Ausgestaltung stehen den Betrieben mehrere Modelle zur Verfügung. 

Mit dem ersten Modell werden die bisherigen vertraglich vereinbarten Arbeitsstunden auf eine 4-Tage-Woche in der Gastronomie umgelegt. Arbeitet ein Kellner in einem Restaurant 40 Arbeitsstunden an aktuell fünf oder sechs Tagen in der Woche, fallen pro Arbeitstag bei fünf Arbeitstagen acht Stunden oder 6,67 Stunden bei sechs Arbeitstagen an. Wird die Anzahl der Arbeitstage innerhalb einer Werkwoche auf vier gekürzt, müssen Arbeitnehmende pro Tag künftig zehn Arbeitsstunden leisten. Möglich wird das nur, wenn das Restaurant einem Angestellten aufgrund anfallender Arbeit und Öffnungszeit des Betriebes zehn Stunden Arbeit pro Tag garantieren kann.

Die 4-Tage-Woche bringt Nachteile, die Betriebe in der Gastronomie überwinden müssen. In der Personalplanung entsteht die Schwierigkeit, dass bei einer 6-Tage-Woche noch zwei Tage ohne Personaleinteilung sind, bei einer 7-Tage-Woche sogar drei. Dem Personal sind also Schichten zuzuweisen, in der alle dieselbe Anzahl der Arbeitsstunden leisten, um niemanden zu bevorteilen. Eine Möglichkeit wäre, zusätzlich Teilzeitkräfte anzustellen, um alle Betriebstage abzudecken.

Mit dem zweiten Modell müssen Fachkräfte der Gastronomie Kürzungen ihrer Einkünfte akzeptieren. Die Regierung, genauer die SPÖ, sieht vor, dass das 4-Tage-Woche-Arbeitszeitmodell nur funktioniert, wenn Angestellte künftig mehr Arbeitszeit pro Tag leisten und nur 95 Prozent ihres bisherigen Bruttoeinkommens erhalten. Arbeitgeber der Gastronomie und Hotellerie können bis zu 15 Prozent der Lohnnebenkosten einsparen. Defizite sollen nach Plänen der SPÖ vom Staat beglichen werden, bis die Kollektivverträge aufgrund der Inflationswerte angepasst werden. 

4-Tage-Woche in der Hotellerie in Österreich

In der Hotellerie wirkt sich die Kürzung der Arbeitstage pro Woche auf Angestellte positiv aus, da die Hotels in der Regel sieben Tage in der Woche geöffnet sind und damit ein gewisser Personalbedarf kontinuierlich besteht und die Arbeitsbelastungen gleichmäßiger auf die arbeitenden Kräfte aufgeteilt werden.

Aufgrund der hohen Arbeitsintensität in der Hotellerie wandern einige Ausgelernte ab und orientieren sich um. Bisher gilt das System als zu steif und wenig familienfreundlich. Durch die 4-Tage-Woche im Tourismus gewinnt die Hotellerie wieder an Attraktivität. 

Das spricht für das 4-Tage-Woche-Arbeitszeitmodell

Studierende finanzieren sich mit der Tätigkeit im Tourismussektor ihr Studium, ihr Aufwand für eine sichere Zukunft ist enorm, weshalb einige unter dem Stress regelrecht "zusammenbrechen". Mit einer Kürzung der Arbeitszeit auf vier Arbeitstage innerhalb einer Werkwoche und nur minimaler Kürzung des Einkommens, sind Studierende weniger gestresst und ihnen bleibt mehr Zeit zum Lernen. 

Elternteile stehen vor der großen Herausforderung, Familie und Beruf zu vereinen, um den Stresslevel zu senken. Alleinerziehende, die teilweise als Reinigungsfachkräfte im Tourismus tätig sind, leisten viele Arbeitsstunden und sind für einen gesundheitsbedingten Arbeitsausfall risikobehaftet. Mit der 4-Tage-Woche in der Hotellerie kommen Arbeitgeber ihren Arbeitskräften entgegen und sorgen dafür, dass ihre Angestellten produktiver sind. Betriebe in Österreich müssen ihre Effizienz steigern, um weiterhin ein attraktiver Ansprechpartner auf dem internationalen Tourismusmarkt zu bleiben. 

Für Österreich spricht die Landschaft in den Tourismusgebieten, das allein reicht aber nicht aus, um Fach- und Aushilfskräfte zu beschäftigen. Konkurrierende Tourismusgebiete in der Schweiz, Deutschland und Italien zeigen, wie es geht. In Südtirol wurde in der Gastronomie in den meisten Betrieben von einer bis dahin üblichen 6-Tage-Woche auf eine 4- oder 5-Tage-Woche verkürzt bei gleichbleibenden Wochenarbeitsstunden und sicherem Einkommen. Besonders in der norditalienischen Provinz Bozen gibt es im Tourismussektor ausreichend freie Stellen und dortige Arbeitgeber sind sehr kreativ, was die Beschäftigungsangebote angeht. 

4-Tage-Woche in Österreich verhindert Abwanderung

Fachkräfte wissen um die Vorteile einer 4-Tage-Woche und sind bereit, für mehr Freizeit Österreich zu verlassen. Um das zu verhindern, muss jeder Betrieb individuell prüfen, welches Modell geeignet ist, um Arbeitnehmern einen attraktiven Arbeitsplatz anzubieten. Saisonarbeiter aus anderen europäischen Staaten haben während der Krise umgeschult und ein Teil hat sich dauerhaft vom Tourismussektor abgewandt.

Österreich ist wie andere Staaten darauf angewiesen, Einheimischen ansprechende Angebote zu unterbreiten, um den Personalbedarf in den Betrieben zu decken. Arbeitnehmer sind aber ebenso gefordert, sie müssen bei einer 4-Tage-Woche in Österreich pro Tag mehr Stunden leisten oder Gehaltskürzungen akzeptieren. Aufgrund steigender Inflation können viele Betriebe nicht mehr Geld für weniger Arbeit entrichten. Arbeitgeber in der Gastronomie, Hotellerie und im Verwaltungsbereich des Tourismus müssen Beschäftigten die Sachlage der Branche realistisch vermitteln, um dauerhaft eine 4-Tage-Woche umzusetzen, die Angestellte der Branche ebenso entlastet wie die Betriebe dank der Reduktion der Lohnnebenkosten.

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