26.04.2021
APA OTS

19. Mai: Lang ersehnte Öffnung von Gastronomie & Hotellerie

Am 19. Mai soll der Corona-Lockdown endlich Geschichte sein. Welche Öffnungsschritte für die Branche geplant sind und wie Politik und Meinungsmacher auf die Maßnahmen reagieren.

© Unsplash/Richard Balog

Am Freitag dem 23. April 2021 kündigte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) Öffnungsschritte für den 19. Mai an. Nach mehr als einem halben Jahr Lockdown werden mit diesem Datum Gastronomie, Tourismus, Kultur und Sport in Österreich voraussichtlich wieder aufsperren dürfen. Die Wiedereröffnung soll von Sicherheitskonzepten begleitet werden. Der „Grüne Pass“ gilt dabei als Zutrittsvoraussetzung – entweder man ist geimpft, genesen oder getestet.

Weitere Maßnahmen für eine Öffnung der Gastronomie:

  • FFP2- und Registrierungspflicht in allen Bereichen

  • Alle Betreiber müssen ein Präventionskonzept erstellen und einen Covid-19-Beauftragten ernennen.

  • Gastronomische Angestellte haben eine FFP2-Maske zu tragen, wenn sie sich testen lassen, reicht ein Mund-Nasen-Schutz.

  • In der Gastronomie sind indoor an einem Tisch vier Personen (plus Kinder) gestattet, im Außenbereich maximal zehn Personen. Zwischen den Personen fremder Tische muss ein Mindestabstand von zwei Metern eingehalten werden.

  • Die Konsumation ist nur im Sitzen erlaubt, an der Bar darf nichts konsumiert werden, Buffets sind aber erlaubt.

  • Sperrstunde ist um 22:00 Uhr.

  • Die Nachtgastronomie muss weiter auf Öffnungsschritte warten. Ab Juli soll es auch dort eine Perspektive geben.

Weitere Maßnahmen für eine Öffnung der Hotellerie:

  • Im allgemeinen Bereich gilt eine FFP2-Maskenpflicht und ein Abstand von zwei Metern.

  • Beim Betreten muss ein Test gemacht, ein gültiges negatives Testergebnis, ein Impfzertifikat oder eine Bestätigung über eine durchgemachte Erkrankung vorgewiesen werden.

  • Bei einem längeren Aufenthalt beziehungsweise bei Inanspruchnahme von weiteren Dienstleistungen braucht es ab Aufenthalt über die Gültigkeit des Eintrittstests hinweg alle zwei Tage Selbsttests unter Aufsicht vor Ort.

  • Für den Wellnessbereich gelten analoge Regelungen wie zu Wellness-Freizeiteinrichtungen. In Thermen müssen indoor pro Gast 20 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Auch hier gilt ein Mindestabstand von zwei Metern.

  • Für ausländische Gäste ist eine Einreise ohne Quarantäne möglich. Für Gäste aus Risikogebieten gilt weiterhin die Quarantänepflicht.

Lang ersehnte Öffnungsschritt gibt der Branche endlich positive Perspektive

Die Wiedereröffnung der Gastronomie gibt nicht nur den über 50.000 österreichischen Gastronomiebetrieben und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wieder eine Perspektive, sie hat auch für die gesamte österreichische Bevölkerung eine wichtige Signalwirkung in Richtung Normalität. "Das vergangene Corona-Krisenjahr war für unsere Tourismusbetriebe mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine unglaublich lange Durststrecke. Dieser Marathon hat uns alle an die Grenzen gebracht. Jetzt sind wir auf den letzten Metern und haben das Ziel vor Augen: Ab 19. Mai werden wir unter Einhaltung klarer Sicherheitskonzepte branchenübergreifend öffnen", betont Tourismusministerin Elisabeth Köstinger. Das Konzept stößt auf breite Zustimmung in der Politik. So kommentiert Mario Pulker, Obmann des Fachverbandes Gastronomie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ): „Nach fast sieben langen Monaten Schließzeit freuen wir uns, dass es nun wieder eine Perspektive für unsere Branche gibt und wir ab 19. Mai endlich wieder Gäste in unseren Betrieben begrüßen und bewirten dürfen. Wir haben die letzten Monate genützt, um uns auf die lang ersehnte Wiedereröffnung vorzubereiten und bieten mit umfangreichen Sicherheits- und Präventionskonzepten sichere Räume der Begegnung.“

Für ihn sei besonders wichtig gewesen, dass sowohl indoor, als auch outdoor geöffnet werden darf und die Sperrstunde mit 22:00 Uhr verlängert wird. „Wie uns die Erfahrungen aus Vorarlberg gezeigt haben, ist eine Sperrstunde um 20 Uhr für viele Betriebe wirtschaftlich schwer verkraftbar und führt zudem dazu, dass sich Gästerunden in den Privatbereich verlagern.“, so Pulker.

Tourismus für Comeback vor Pfingsten in Startlöchern

Auch die Hotellerie atmet auf. So vergleicht ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer die für 19. Mai angekündigten Öffnungsschritte mit einer Tür: „Dahinter liegen Chancen für Zehntausende Betriebe und Hunderttausende Beschäftigte in Tourismus und Gastronomie, Sport und Kultur, Airlines und Flughäfen. Und Herausforderungen! Damit wir die meistern können, darf nach dem Mega-Lockdown kein Sand ins Getriebe kommen“, fordert Reitterer einen Fahrplan für die kommenden Monate: „Ja zum Fahren mit angezogener Handbremse bis alles ins Laufen kommt. Doch dann sollten wir rasch ein, zwei Gänge hochschalten. Denn kein Betrieb ist auf den zwei Meter Abstand ausgelegt“, fordert sie die rasche Rückkehr zu einer auch wirtschaftlich vertretbaren Auslastung: „Denn die ist der Schlüssel zur Beschäftigung. Da kann es kein anderes Ziel geben, sobald es die Infektionslage hergibt.“

"Ab 19. Mai werden wir unter Einhaltung klarer Sicherheitskonzepte branchenübergreifend öffnen", betont Tourismusministerin Elisabeth Köstinger.
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„Nach fast sieben langen Monaten Schließzeit freuen wir uns, dass es nun wieder eine Perspektive für unsere Branche gibt", so Mario Pulker.
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Technische und rechtliche Fragen um „Grünen Pass“ offen

Reitterer sieht mit der Impfung, dem Wegfall der Quarantäneregeln und dem Grünen Pass den Weg zu diesem Ziel geebnet. Einige Fragen zum Pass seien aber noch offen: Wann kommt er, mit welchen Tools verarbeiten die Hoteliers die Informationen, wann und woher bekommen sie die Hard- und Software? Welche Drittstaaten werden assoziiert, wo soll geworben werden? Werden arabische, britische, chinesische, US-amerikanische Impfzertifikate vor Reiseantritt oder erst auf Flughäfen in Grüne EU-Pässe umgewandelt? Antworten darauf seien dringend nötig.

Eine wesentliche Voraussetzung für ine gelungene Sommersaison ist laut Susanne Kraus-Winkler die quarantänefreie Einreise.
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Keine „normale“ Saisonöffnung

Mit einer „normalen“ Saisonöffnung sei die aktuelle Situation nicht vergleichbar. Es gelte rasch zu handeln. „Stornobedingungen, Anzahlungssysteme, Gästeinformationen, sowie das Preismanagement und operative Abläufe müssen größtenteils neu überarbeitet und angepasst werden.“, betont Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des Fachverbandes Hotellerie in der WKÖ. „Die geplanten ‚Hoteltest- Ecken‘ für Gäste-Nachtestungen bei längeren Aufenthalten sind einzurichten und die Warenlieferungen müssen der derzeit nur schwer abschätzbaren Nachfrage angepasst werden, denn viele Jahresbetriebe haben ihre Lagerbestände aus Liquiditätsgründen auf Null runter gefahren“, konkretisiert die Branchensprecherin der rund 16.000 österreichischen Beherbergungsbetriebe.

Klärung der Einreisebestimmungen notwendig

Eine wesentliche Voraussetzung für eine gelungene Sommersaison sei ihrer Meinung nach die quarantänefreie Einreise: „Deshalb ist die angekündigte Anpassung der Einreise-Bestimmungen, für die wir uns intensiv eingesetzt haben, ganz besonders erfreulich. Die derzeit geltende Verordnung sieht mit wenigen Ausnahmen eine zehntägige Quarantäne, mit der Möglichkeit des Freitestens nach fünf Tagen, vor. Dass hier nun Klarheit geschaffen wurde, und es ab 19. Mai keine Quarantäne für Geimpfte, Getestete oder Genesene geben wird, ist eine wesentliche Basis für einen erfolgreichen Re-Start“. Wie wichtig hier eine rasche Lösung war, zeige auch die aktuelle, erfreuliche Entwicklung. Denn der Trend zu Urlaub in Österreich sei klar erkennbar. „Wir sehen seit einigen Tagen einen enormen Anstieg der Buchungsnachfragen für die Sommermonate.“ berichtet Kraus-Winkler.

Sorge um Mitarbeitermangel

Die Obfrau weist auch auf die schwierige Mitarbeitersituation hin. Denn auch wenn die Kurzarbeit viele Mitarbeiter in den Betrieben gehalten habe, sei die Abwanderungstendenz auf Grund der langen Schließungsdauer spürbar gewesen. „Hier müssen wir gemeinsam mit der Politik konkrete Aktivitäten starten, um wieder Vertrauen in die Zukunft der Branche und in Tourismusberufe aufbauen“, unterstreicht Kraus-Winkler. Denn ohne die bestens ausgebildeten Mitarbeiter sei kein Tourismus in Österreich möglich.

Konzepte und finanzielle Unterstützung für dauerhaftes Comeback

Bei aller Freude über den bevorstehenden Re-Start, sei nun auch entscheidend, wie lange und in welchem Umfang gezielte Maßnahmen bereitstehen, um die Hotellerie und alle damit verbundenen Unternehmen im vor- und nachgelagerten Bereich, mittel- und langfristig wirtschaftlich abzusichern, sagt Kraus-Winkler und betont abschließend: „Wir alle – Unternehmer und Mitarbeiter – brennen darauf, endlich wieder Gastgeber sein zu können. Unsere Betriebe haben einen enormen Solidarbeitrag geleistet, gingen und gehen mit der Pandemie sehr verantwortungsvoll um und werden noch etliche Jahre brauchen, um die Auswirkungen der Corona-Krise zu verkraften und die dadurch bedingten Umsatzverluste in einer so intensiv von Fixkosten geprägten Branche aufholen zu können. Damit unser Comeback von Dauer ist, haben wir bereits Konzepte und Lösungen für Stabilisierungskapital und Bewältigung der Covid-abhängigen Verschuldung der Betriebe erarbeitet, die es nun umzusetzen gilt.

Keine Jubelstimmung bei der FPÖ

Kritische Stimmen kommen von Seiten der FPÖ. Bundesparteiobmann Norbert Hofer gibt zu bedenken: „Mitte März wurde die Öffnung der Gastgärten ab Anfang April versprochen – das hat nicht gehalten. Ganz im Gegenteil: Die Ost-Region ist in einen harten Lockdown gegangen. So etwas darf sich nicht mehr wiederholen. Die Betriebe brauchen Planbarkeit. Es müssen Mitarbeiter wieder angestellt, Lebensmittel eingekauft werden. Der Vorlauf ist arbeits- und kostenintensiv, daher muss das Datum für die Eröffnung diesmal wirklich halten.“

Kritik an Registrierungspflicht

Es stelle sich für ihn zudem die Frage, warum sich Menschen ab dem 19. Mai 2021 beim Besuch eines Gastronomiebetriebes oder einer Kulturveranstaltung registrieren müssen, wo doch der Zutritt ohnehin nur für Inhaber des „Grünen Passes“ möglich sein soll. Insgesamt sieht Hofer in den neuen Regelungen das Einführen einer indirekten Test- oder Impfpflicht, was von der FPÖ abgelehnt wird, da es zu einer weiteren Spaltung der Gesellschaft führe. Seiner Meinung nach haben die Sicherheitskonzepte im Gastrobereich funktioniert und seien auch jetzt ausreichend. Wer zum Wirt geht, dort Abstand hält, beim Betreten und Verlassen eine Maske trägt und gemütlich ein Schnitzel isst, der sei mit Sicherheit nicht gefährlicher als jemand, der ein Shoppingcenter besucht. Und dort werde es aus gutem Grund keine Eintrittstests geben, so der FPÖ-Bundesparteiobmann.