• 6. - 10. November 2021
  • Messezentrum Salzburg

 

 

Wintertourismus quo vadis?

Es ist Herbt geworden und wir befinden uns im zweiten, harten Lockdown. Die Maßnahmen, die für die Bekämpfung des Corona-Virus gesetzt wurden haben insbesondere die Tourismus- und Gastro-Branche getroffen. Wie soll es in den nächsten, kalten Monaten weitergehen? Kann es mit der aktuellen Situation einen Wintertourismus in Österreich geben? Wenn ja, mit welchen Einschränkungen? Wie sehen die Details zum Umsatzersatz aus? Darüber diskutierten Bundesministerin Elisabeth Köstinger, der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Mario Gerber und Mario Pulker,  Spartenobmänner der WKO, Christian Kresse, CEO der Kärnten Werbung und Erich Egger, Vorstand der Schmittenhöhenbahn. 

 

© Reed Exhibitions Österreich/Sebastian Datzreiter

Die wichtigsten Sager aus der Talkrunde

Elisabeth Köstinger, Bundesministerin für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus

Wir haben am 6. November, gemeinsam mit dem Finanzminister Gernot Blümel einen Umsatzersatz präsentiert, der bereits jetzt über Finanz Online für die momentan geschlossenen Branchen abrufbar ist. Um den Antrag zu stellen bedarf es wirklich nur weniger Mausklicks, das geht diesmal ganz schnell. Ziel ist es, 80 Prozent des Umsatzes im Vergleichszeitraum zu ersetzen und damit für die kommenden Wochen für ganz dringend notwendige Liquidität in den Betrieben sorgen. Das betrifft vor allem die Beherbergungsbetriebe, die Gastronomiebetriebe und die Veranstalter und ist eine ganz wichtige Überbrückung, um über die nächste Zeit zu kommen. Das zweite Instrument, das wir auch wieder ermöglichen, ist, die Kurzarbeit soweit anzupassen, dass man Mitarbeiter in hundertprozentige Kurzarbeit schicken kann. Auch das sorgt für eine immense Entlastung und wird vor allem auch die rund 760.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die derzeit durch die geschlossenen Betriebe vor Existenzsorgen stehen, unterstützen. Denn speziell die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind das wichtigste Kapital, das wir in unseren Branchen haben. Deswegen werden wir auch von Seiten der Bundesregierung alles dafür tun, dass wir die Betriebe gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch diese Zeit bringen.

© Reed Exhibitions Österreich/Sebastian Datzreiter

© Reed Exhibitions Österreich/Sebastian Datzreiter

Erich Egger, Vorstand der Schmittenhöhenbahn

Wir möchten sicherstellen, dass viele Millionen Gäste, die in Europa reisen möchten auch reisen dürfen. Das ist die größte Herausforderung. Wir wissen nicht, welche Märkte offen haben werden und welche Gästegruppen wir ansprechen können. Österreichische Skifahrerinnen und Skifahrer sind uns sehr wichtig, andererseits wissen wir auch, dass wir mit diesen alleine den Betrieb in diesem Umfang nicht aufrechterhalten werden können. Deswegen ist es für uns entscheidend, dass die Märkte offen sind, zumindest der deutsche Markt. Mein Apell ist immer wieder: Jeder einzelne kann seinen Beitrag leisten, indem er sich an die Vorgaben hält, die dazu beitragen sollen, dass die Infektionen zurückgehen. Nur dann schaffen wir es, dass Märkte wieder geöffnet sind.

Ich habe eine Bitte an alle Ihre Freunde, Ihre Stammgäste, wo auch immer Sie herkommen: wenn jetzt die ersten Bilder mit dem frischen Schnee, dem blauen Himmel, den wunderbaren Bergen kommen, dann posten Sie das, schicken Sie es raus und erhöhen wir damit die Sehnsucht aller unserer Gäste nach den Alpen. Dadurch erhöhen wir auch den Druck, dass es zu Lösungen kommt, damit wir hoffentlich bald wieder viele internationale Gäste bei uns begrüßen können.

Wilfried Haslauer, Landeshauptmann Salzburg

Ich sage immer: Der Weltuntergang hat seine Propheten immer enttäuscht und zittern soll man erst, wenn es wirklich kalt ist. Die Umsatzersatz-Lösung ist eine Wärmedecke, die die Betriebe derzeit dringendst brauchen.

Alleine nur mit österreichischen Gästen wird es sehr schwer werden, über den Winter zu kommen. Wir brauchen ein System, um aus den Reisewarnungen herauszukommen. Der erste Weg ist jetzt dieser Lockdown. Was wir aber danach benötigen sind Übereinkommen mit den Herkunftsländern. Deutschland ist da für uns sehr wichtig. Wir haben im Winter ca. 21 Prozent Nächtigungen von Österreichern, etwa 35 Prozent von Deutschen und der Rest von Holländern, Engländern und Zentraleuropa. Wir brauchen deswegen bilaterale Vereinbarungen, wie wir mit den Reisewarnungen umgehen und z.B. ein unkompliziertes Testservice anbieten können. Dann sind Gäste auch bereit, eine gewisse Erschwernis beim Reisen in Kauf zu nehmen. Wenn unser Nachbar Deutschland aber dabeibleibt, dass eine Einreise mit einer fünftägigen Quarantäne verbunden ist, dann wird es natürlich ganz, ganz schwierig.  

© Reed Exhibitions Österreich/Sebastian Datzreiter

© Reed Exhibitions Österreich/Sebastian Datzreiter

Christian Kresse, CEO Kärnten Werbung

Dieser Ausbruch des Virus ist eine operative Einschränkung geworden, nicht nur für Hotellerie und Gastronomie, sondern auch für Gäste und Reisende, die woanders hinfahren wollen, um sich zu erholen. Es gibt keinen Schuldigen für diese Situation und ich denke, dass alle handelnden Personen weltweit derzeit das Beste wollen, nämlich, das zu überwinden und den Menschen wieder möglichst viel Normalität zurückzugeben. Aber wenn wir die überall steigenden Infektionszahlen betrachten, müssen wir als Touristiker uns überlegen, ob es überhaupt möglich sein wird, dass Gäste wieder reisen können. Und kann sich Österreich fitmachen, dass wir wieder Dienstgeber und Gastgeber sein dürfen. Das ist die Situation vor der wir stehen.

Wir Gastgeber sind besser aufgestellt als viele andere. Ich sehe hier extrem viele Chancen und Potenziale. Es wird wieder losgehen, und wenn es soweit ist, müssen wir vorbereitet sein. Viele Betriebe waren extrem kreativ und flexibel und konnten die Zeit dadurch viel besser überbrücken als gedacht.

Mario Gerber, Abgeordneter zum Tiroler Landtag, Bereichssprecher für Tourismus und Wirtschaft, Obmann-Stellvertreter der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der WKO.

Als Unternehmer geht es um ganz viele Emotionen. Ich darf 250 Mitarbeiter beschäftigen und musste Ihnen leider letzte Woche sagen, dass der Saisonstart um drei Wochen nach hinten verschoben wird. Die Mitarbeiter sind unsere wichtigste Säule, die den Tourismus aufrecht halten, die unsere Gastfreundschaft, unsere Dienstleistung weitergeben, deswegen ist es ganz schwer, diese nicht vorhandene Planbarkeit mit den Mitarbeitern zu besprechen. Denn wenn wir starten, dann müssen wir starten und müssen in weiterer Folge all unsere Mitarbeiter informieren. Viele von ihnen kommen aus dem Ausland und da gibt es ganz viele Fragen, die ich auch oft nicht beantworten kann.

Wir wissen, dass für 85 Prozent der Gäste, die zu uns kommen, das Thema Sicherheit und vor allem Hygiene an erster Stelle steht. Ich denke, bei diesen Themen waren wir in Österreich immer schon Tourismusweltmeister. Es ist schon immer sicher bei uns gewesen und wir haben schon immer die höchsten Sicherheitsstandards gehabt. Die Überzeugung und das Vertrauen der Gäste in Österreich als sicheres Urlaubsland sind da.

Mario Pulker, Spartenobmann WKO, Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft

Die Anfragen der Mitgliedsbetriebe in den letzten Wochen und Monaten sind vielfältig, weil die Branche auch sehr vielfältig ist. Da ist vom Würstelstand bis zum 3-Sterne-Restaurant alles und in der Hotellerie das gesamte Spektrum an Beherbergungsbetrieben vertreten. Seit Anfang März haben wir in Niederösterreich mit rund 7.000 Mitgliedsbetrieben persönlichen Kontakt gehabt und viele Fragen zu den Maßnahmen beantwortet. In den anderen Bundesländern wird es nicht anders aussehen. Hervorzuheben ist dabei die großartige Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Büros des Bundesministeriums und in der WKO. Die Krise hat auch dazu geführt, dass wir Touristiker zusammengewachsen sind.

Die Krise ist noch nicht vorbei und darum bitte ich, sich an die Vorgaben zu halten um das Virus zurückzudrängen, denn wenn die Reisebeschränkungen nicht aufgehoben werden, werden wir keinen Wintertourismus haben. Das sollte uns allen klar sein.